Jules Alex Kaeser vor «Herbst» und «Winter» seiner Jahreszeiten-Reihe. (Bild: Bild: Michel Canonica)
Seine Grundformen, die Jules Alex Kaeser zu konstruktiven Acrylbildern zusammenstellt, wirken trotz aller Abstraktion einladend. Kaeser zeigt in der Galerie vor der Klostermauer Form und Farbe mit Genauigkeit und überraschenden Details.
martin preisser
In der Galerie vor der Klostermauer haben sonst mehrheitlich jüngere Kunstschaffende eine Plattform. Mit Jules Alex Kaeser zeigt mit einmal ein Künstler seine aktuellen Arbeiten aus reifem Lebensabschnitt. Er war letztmals 2005 in der Galerie präsent, damals noch mit Aquarellen. Die Galerie ermöglicht Kunstschaffenden, die hier bereits einmal ausgestellt haben, weitere Auftritte vor der Klostermauer.
Im Labor der Grundformen
Jules Alex Kaeser zeigt jetzt ausschliesslich Acrylarbeiten auf Hartplatte. Das Obergeschoss der Galerie ist den rein konstruktiv gedachten Werken vorbehalten. Kaesers Spiel mit den geometrischen Grundformen zeugt von Erfahrung, Ruhe und Genauigkeit. Wenn er durchdacht Formen und Formsegmente zum Bildganzen zusammenfügt, ist das nie nur formaler Selbstzweck. Durch die geschickte Einfärbung entstehen Kompositionen, die – obgleich abstrakt – viel Lebendigkeit und Atmosphäre ausstrahlen.
Jules Alex Kaeser (er ist übrigens der Onkel des Künstlers Jan Kaeser) bewegt sich sicher in seinem Labor der Grundformen, die er nicht nur statisch aneinanderreiht, sondern zu lebendigen kleinen Kosmen gestaltet. Die genaue Balance beherrscht er da etwa im Zyklus der vier Jahreszeiten, wo innere Bewegung und Farbwahl auf den Bildern gleichsam die Essenz einer Jahreszeit freizulegen scheinen. Um so überraschender wirkt dann aber der «Sommer», bei dem Kaeser das Konstruktivistische aufbricht und runde, offene, eben wärmere Formen findet. Die Abstraktion des «Winters», der fast wie ein Modellbild einer kunstvollen Schneeflocke daherkommt, ist wie auf anderen Arbeiten nie eine abweisende oder rein geometrische. Der genaue Sinn für die Farbfelder lässt die Bilder nie nur abgezirkelt, sondern in ruhiger innerer, wie angehaltener Bewegung erscheinen. Die speziellen Farbkombinationen lassen Urformen und Grundsegmente lebendig und voll stiller Kraft aufleuchten.
Spiel und Lust
Im Erdgeschoss wagt Jules Alex Kaeser immer wieder Übergänge vom Abstrakten zu vorsichtig angedeuteter Figürlichkeit. In Vögeln oder Blumen finden sich aber immer noch geometrische Grundformen, die jetzt eben leicht aufgebrochen und in farbiger Freundlichkeit daherkommen. Jules Alex Kaeser liebt die klar definierten Formen, aber noch mehr das Spiel mit ihnen. Das paart sich in der Ausstellung mit seiner Lust an der Farbe. Strenge Formen neben unbekümmerteren Ausflügen ins nur ganz fein angedeutete Naturalistische ist der angenehme rote Faden, der sich durch Kaesers Bilder zieht.